Studiengänge


In die Welt der Filmfiguren eintauchen

Gespräch mit Donna Hanisch, Leiterin Leiterin Digital Film Arts / Szenenbild /Kostümbild bei der internationalen filmschule in Köln


Studiengang BA Film, Fachschwerpunkt Szenenbild

www.filmschule.de/sei...

Wieso wurde die Fachrichtung „Szenenbild“ im Film-Bachelor geschaffen? Es gibt ja schon länger eine Weiterbildung.

Donna Hanisch: Die Weiterbildung war ein wunderbares und nachhaltiges Format, gerade für die vielen Quereinsteiger, die ihre Vorkenntnisse in Bezug zum Film setzen konnten. Die Absolventen haben sich in der  Szenenbildlandschaft sehr gut beruflich etabliert. Allerdings reichte das halbes Jahr nur, um die Grundkenntnisse der Arbeitsabläufe zu vermitteln. Im Studium tauchen wir viel tiefer in die handwerkliche und organisatorische Spezialisierung ein und wir erlernen die komplexe Zusammenarbeit der verschieden Departments in der Projektarbeit mit den anderen Fachbereichen. Der große Unterschied zur Weiterbildung ist aber, dass wir im Studium Zeit haben, das dramaturgische Verständnis zu schulen und damit deas Selbstverständnis des Szenenbildners als Miterzähler zu stärken.

Denn: Was das Szenenbild in erster Linie unterscheidet von z.B. Architektur oder Design ist, dass die Gestaltung immer in den Kontext einer Geschichte eingebunden ist. Ein Szenenbildner ist viel mehr als ein Designer, der schöne Räume einrichtet. Ein Szenenbildner entwickelt narrative Räume. Dafür muss er verstehen: Welche Geschichte wollen wir überhaupt erzählen und mit welchen Mitteln?

 

Projekt: „La Mer“ Kurzfilm

Szenenbildner entwickeln, ausgehend vom Drehbuch, die Vorschläge, wie die Räume, die Wohnungen, die Atmosphäre wirken soll?

Im Prinzip ja, allerdings ist das ein komplexer Vorgang.

Er muss die Filmfiguren in ihrem Wesen verstehen und in ihre Welt eintauchen. Das kann die eines eiskalten Killers oder einer verrückten Künstlerin oder auch die eines fußballbegeisterten Jungen im schmuddeligen Ruhrgebiet der 50er Jahre oder die eines Königs im Barock sein. Jedes Mal muss sich der Szenenbildner durch eine intensive Recherche in die Zeit, die Umgebung, in Berufe, in Milieus einarbeiten.  Am Ende sollte er die Welt der Geschichte besser kennen, als seine eigene.

Der zweite wichtige Blickwinkel für seine Entwurfsarbeit ist, dass er sich in die Charaktere und ihre Situation einfühlt. Um überzeugend den Raum eines zwanghaft, pedantischen Finanzbeamten oder einer kitschigen Hundebesitzerin zu gestalten, muss man förmlich zu dieser Person werden. Welche Bilder würde sie mögen und warum? Welche alltäglichen Gegenstände würde sie benutzen?

Dann muss der Szenenbildner das Genre mit einbeziehen. Es macht einen Riesenunterschied, ob man ein Bordell für ein Drama oder für eine Komödie entwirft.

Er diskutiert die dramatischen Aspekte mit dem Regisseur,  inspiriert und einigt sich mit ihm inhaltlich und in der Look-Entwicklung.

Das sind sensible Vorgänge, die ineinandergreifen und die, neben einem guten Auge, ein hohes dramaturgisches Verständnis erfordern.

Projekt: Studiobau „Hotelzimmer 20er Jahre Russland“ für Kameraübung

Und deshalb lernen die Bachelor-Studenten in der Fachrichtung „Szenenbild“ auch Fächer wie Filmgeschichte, Filmanalyse, Dramaturgie...

Diese Fächer werden für alle Fachrichtungen gemeinsam unterrichtet.  Sie vermitteln die erforderlichen Grundkenntnisse des Geschichtenerzählens via Film.

Und man erlebt bei unseren Bachelor-Absolventen, wie differenziert sie nach dem Studium über ihre und andere Filme reflektieren können. Das ist immanent wichtig, weil Film ein kollaborativer Werk ist, an dem viele Menschen beteiligt sind, die sich abstimmen müssen. Je höher das Niveau der Kommunikation, desto besser das Ergebnis.

Im Grundstudium geben wir viel spezifischen Input, im Szenenbild im Besonderen bei handwerklichen Fertigkeiten.

Zu der filmischen Grundbildung treten die fachspezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten.

Der Unterricht an der ifs teilt sich in Film- und Medienwissenschaften, Projektarbeit und den Fachunterricht. Das Verhältnis der drei Sparten passen wir der Lernkurve an, so werden z. B. die Projekte von Semester zu Semester immer aufwendiger und länger. Im Grundstudium geben wir viel spezifischen Input, im Szenenbild im Besonderen bei handwerklichen Fertigkeiten. Später liegt der Fokus auf der Konzeption und auf den organisatorischen Fächern. Im letzten Drittel geht es, neben der Bachelorarbeit, um die Verknüpfung mit der Branche und den Blick auf andere Medien.

Die rein handwerkliche Kompetenz, wie etwa durch Oberflächenbehandlung eine  bestimmte Wirkung erzielt wird, wird außerdem durch Themen wie Organisation und Kalkulation ergänzt. Ich muss das Szenenbild sehr exakt planen, damit alles steht, wenn die Dreharbeiten beginnen?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Das Szenenbild ist üblicherweise eine der Abteilungen innerhalb der Filmproduktion, die viel Geld verwaltet. Man trifft finanziell relevante Entscheidungen, vorne weg in welcher Stadt oder gar in welchem Land  gedreht wird. Oder auch: was drehen wir on Location und was bauen wir im Studio.

Und dem Szenenbild sind viele Mitarbeiter zugeordnet?

Ja, es kann je nach Produktion ein sehr großes Department mit viel Personal sein. Für eine historische Produktion können das schnell zwischen 30 bis 100 Personen werden. In den meisten deutschen Filmproduktionen hat sich mittlerweile die anglo-amerikanische Arbeitsstruktur durchgesetzt. Die Abteilung gliedert sich in drei Bereiche. Das ist zum einen die „Requisite“, die alles organisiert und verwaltet, was Schauspieler in irgendeiner Form benutzen (Autos, Tiere, Waffen, etc.). Die zweite Unterabteilung ist die „Set Decoration“, die sich um die Einrichtung der Motive kümmert (Möbel, Tapeten, Vorhänge). Die dritte Säule ist die „Art Direction“, die Bauten betreut. Der Überbau ist die „Szenenbildabteilung“, die das Gesamtkonzept entwickelt und die Gesamtorganisation verwaltet.

Und die gute Szenenbildnerin muss von allem etwas verstehen? Sie muss wissen, wie die verschiedenen Spezialist/innen arbeiten?

Das wichtigste ist aber, dass man ein sicherer Gestalter mit hohem Kommunikations- vermögen ist.

Man muss nicht alles selber in Perfektion können. Aber man sollte genug Kenntnisse über die Abläufe und die Materialien der einzelnen Unterabteilungen haben, um die Prozesse zu führen. Das wichtigste ist aber, dass man ein sicherer Gestalter mit hohem Kommunikationsvermögen ist. In den Details muss sich der Szenenbildner auf die Qualität seine Spezialisten verlassen.

Es ist ein komplexer Arbeitsprozess, wo alles genau in einander greifen muss. Es nützt nichts, die Requisiten ans Set zu bringen, bevor fertig gemalt ist, etc. Und dieser Arbeitsprozess ist so immer einmalig?

Das macht die Arbeit spannend und sehr komplex! Wir arbeiten mit dem Szenenbild vorneweg und bauen hinten schon wieder ab, Wenn es ein Motiv-lastiger Film ist, kann man zwei Motive am Tag haben, die vorbereitet und wieder abgebaut werden müssen. Oder man hat verschiedene Standorte, wo gleichzeitig große Studiobauten entstehen müssen. Das sind schon organisatorisch hoch-komplexe Aufgaben. Dazu kommt, das es um Gestaltung geht und das bei aller Vorvisualisierung mit Entwürfen, Moodboards, Farbproben es trotzdem passiert, dass es nicht so wird, wie es sich der Szenenbildner oder der Regisseur vorgestellt hat und man noch Änderungen auf dem letzten Meter hat.

Und Sie haben völlig recht: Jedes Projekt fordert seine eigene Herangehensweise. Ein Roadmovie von Frankreich nach Norwegen braucht eine völlig andere Teamstruktur, als ein historisches Familiendrama, das hauptsächlich in Studiobauten gedreht wird. Dieser Beruf bleibt einfach immer spannend!

Niemand kann einen großen Film allein machen ... im Zusammenspiel der Gewerke entsteht das Werk.

Die „Szenenbild“-Studierenden werden mit den Studierenden der Fachrichtungen „Regie“, „Drehbuch“ oder „Kreativ Produzieren“ erste Filme machen und so erfahren, wie sie mit den komplexen Arbeitsanforderungen zurechtkommen?

Niemand kann einen großen Film allein machen. Man ist darauf angewiesen, sich mit den anderen in der Gestaltung und der Arbeit abzustimmen - erst im Zusammenspiel der Gewerke entsteht das Werk. Der Vorteil der Filmschule ist, man kann sich hier im kleinen Kreis ausprobieren. Erst in kleineren Projekten, dann wachsen die Projekte sukzessiv. Man lernt respektvoll und produktiv mit dem anderen Department zu arbeiten. Als Szenenbildnerin muss ich mich mit der Produktionsleitung über Geld und Organisation auseinandersetzen, ich muss mich mit dem Regisseur verständigen. Ich muss mich mit der Kamera und mit dem Kostümbild abstimmen. Das lernen unsere Studenten hier.

Szenenbild: Skulpturen.

Die „Szenenbild“-Bewerberinnen sollen nun Arbeitsproben einsenden. Wie bewerten Sie die Arbeitsproben? Nach der formalen Umsetzung? Nach den Ideen?

Im Szenenbilddepartment gibt es um die 30 verschiedene Berufe und so gibt es so gut wie keine Talent, das man nicht brauchen kann. Sogar wenn man gut Blumen stecken kann, ist das für manche Filme extrem hilfreich. Ich bin Grafikerin und löse viele Gestaltungsaufgaben über Papier und Grafik. Jemand, der viel mit Textilien gearbeitet hat, würde es vielleicht mit Textilien lösen. Wir sehen uns bei den Arbeitsproben an, wo die Vorlieben liegen. Welches Material liegt dem Bewerber, was findet er interessant, womit beschäftigt er sich? Hat jemand eine eigene Motivaton? Wo steht er gestalterisch? Dabei  ist das Niveau gar nicht so entscheidend. Dass sich jemand von sich aus mit Gestaltung beschäftigt, ist für uns interessant.

Die Bewerberinnen und Bewerber können auch direkt nach der Schule mit dem Studium beginnen?

Gerne. Wobei wir raten, dass die Interessenten erstmal mindestens ein Praktikum absolvieren, um sich zu vergewissern, ob der Beruf das Richtige für sie ist.

Alle Bewerber/innen, auch im Szenenbild, müssen Texte schreiben zu medientheoretischen Zitaten bzw. zur medientheoretischen Interpretation eines Vortrags. Konkret geht es um Marshall McLuhan und George Bloom. Warum ist das so wichtig? Wenn ich Spaß an der Gestaltung habe, wieso soll ich mich zu einem etwas sperrigen, theoretischen Zitat äußern?

Die Bewerber sollen wissen, dass es in der ifs auch darum geht, sich mit der Meta-Ebene des Filmmachens zu befassen.

Die Idee der Aufgabe ist, dass man sich von Anfang an damit auseinander setzt, dass es sich um einen künstlerisch- wissenschaftlichen Studiengang handelt. Die Bewerber sollen von Anfang an wissen, dass es in der ifs auch darum geht, sich mit der Meta-Ebene des Filmmachens zu befassen. Erstaunlicherweise kommen aber viele Leute damit sehr gut klar, falls nicht, finde ich Rückfragen gestattet.

Im Studium wird nicht von morgens bis abends nur gebastelt. Umgekehrt heißt es aber auch: Wenn jemand schon Bühnenbilder bei Schulaufführungen gemacht hat, vielleicht zwei, drei Praktika absolviert hat, zum Beispiel bei einem Innenarchitekten war, und sich mit diesen Zitaten dennoch ein bisschen quält, dann sollte er sich trotzdem bewerben?!

Unbedingt! Wenn ich Bewerber am Telefon habe, biete ich ihnen an: „Kommen Sie her und wir sprechen drüber!“ Es hat einen Sinn, warum wir diese Aufgaben stellen. Aber man muss nicht alles wissen. Wenn man sich damit auseinandersetzt, kommt man auf eine Lösung.

Wenn jemand viel Sicherheit braucht und ortsgebunden ist, dann ist das nicht der richtige Beruf.

Irritierte Bewerber dürfen sich bei Ihnen melden?

Sowieso. Ich finde es gut, wenn sich Bewerber vor der Studienentscheidung bei mir melden. Es ist schließlich eine wegweisende Lebensentscheidung, man studiert dreieinhalb Jahre, investiert Geld und Lebenszeit. Da hat man das Recht, sich über die Institution und das Studium wirklich gut zu informieren. Passt die Institution zu mir? Finde ich das Angebot gut? Und vor allem: ist das der Beruf, den ich nachher ausüben  möchte? Wenn jemand einen 9/5-Job sucht, viel Sicherheit braucht und ortsgebunden ist, dann ist das nicht der richtige Beruf. Dann ist er vielleicht ein exzellenter Gestalter, wäre aber in diesem Beruf todunglücklich. Das wäre zu schade.

Projekt: „Royal Affairs“ Weltraumkomödie Kurzfilm ifs. Hier stand die Kooperation mit den Digital Film Artist im Vordergrund.

Die ifs hat vor einiger Zeit „Digital Film Arts“ als Fachrichtung eingeführt. Die beiden Fachrichtungen „Digital Film Arts“ und „Szenenbild“ sollen intensiv mit einander kooperieren. Gerade bei der Frage: was bauen wir und was stellen wir virtuell her?

Das war mit einer der Gründe den Studiengang aufzubauen. Es ist völlig klar , dass der digitale Anteil am Szenenbild stetig wachsen wird. Um die künftigen Generationen an Szenenbildner und VFXlern an die Zusammenarbeit zu gewöhnen und  die Kommunikation zu  trainieren, planen wir für unsere Studenten viele gemeinsame Projekte.

Das erste dieser Art fand schon am Anfang diesen Jahres statt. Die Teilnehmer der Szenenbildweiterbildung und unsere DFA Studenten haben gemeinsam das Production Design für eine Weltraumkomödie entworfen und umgesetzt.

Unser Ansatz war, schon in der Recherche, also noch vor der Konzeption, zusammen zu arbeiten. Wir haben gemeinsam das Drehbuch analysiert, gemeinsam recherchiert, Entwürfe entwickelt  und dann entschieden, was wird gebaut und was wird im Computer realisiert.

Die Hierarchien sind beim Film sowieso sehr flach und es gibt viel Raum, seine eigene Kreativität zu platzieren.

Es wird ja auch später, in zukünftigen Filmproduktionen, ein Thema sein und nicht nur im studentischen Kontext. Also etwa: Wer entscheidet?!

Der Szenenbildner, er hat die Absprachen mit der Regie und den anderen Departments getroffen, also lenkt er das Design. Trotzdem sind die meisten Szenenbildner so klug, dass sie gute Ideen aufgreifen, auch wenn sie vom Praktikanten kommt. Wenn es eine gute Idee ist, ist es eine gute Idee. Und das Schöne am Szenenbild ist ja, dass es so viel zu gestalten gibt, dass man nicht zu kurz kommt mit seinem Gestaltungswillen. Die Hierarchien sind beim Film sowieso sehr flach und es gibt viel Raum, seine eigene Kreativität zu platzieren.

Und wenn sich die Produktionsstrukturen verändern, hat es Auswirkungen auf die Konzeption der Studiengänge?

Absolut. Die ifs hat den Ruf sehr praxisnah zu unterrichten und einen engen Draht zur Filmbranche zu haben. Das liegt daran, dass wir größtenteils mit aktiven Filmschaffenden als Dozenten arbeiten. Dadurch bleiben wir automatisch aktuell in der Lehre. Aber Veränderungen in der Praxis wirken sich nicht nur in der Konzeption der bereits bestehenden Studiengänge aus. Die Entscheidungen, Studienschwerpunkte wie DFA und Szenenbild überhaupt ins Leben zu rufen, sind aufgrund der Branchen-Entwicklungen getroffen worden. Ebenso auch unser neuer  Master „Digital Narratives“, der sich mit freieren Projekten in den neuen Medien beschäftigt.

Digital Film Artist
Können Sie sich vorstellen, dass Studierende noch während des Studiums  zwischen „Digital Film Arts“ und „Szenenbild“ wechseln wollen?

Die Studierenden dürfen innerhalb des ersten Semesters den Fachbereich wechseln. Wenn ein Szenenbildstudent für sich feststellt: „Das Digitale ist mein Medium!“ dann reagieren wir darauf. Und wenn jemand bei den DFAlern feststellt: „Das ist mir hier zu viel Pixelschubserei. Ich gucke immer neidisch auf die Werkstatt mit den Holzsägen...“ dann ist der Wechsel denkbar und auch wünschenswert.

Dreieinhalb Jahre weiter gedacht: Wo fangen die „Szenenbild“-Absolvent/innen nach dem Abschluss an? Als Assistenz des Szenenbildners, als Innenrequisiteurin? Als Assistenz der Innenrequisiteurin?

Ich hoffe, dass sie während des Studiums entdecken, wo sie genau hinmöchten. Das kann Szenenbild sein, muss es aber nicht. Vielleicht entscheidet  jemand: „Szenenbild ist mir zu viel Verantwortung, ich will nicht die ganze Abteilung leiten. Aber ich richte gerne Räume ein, also möchte ich gerne Set Decoratorin werden.“ Requisite, Set Decoration, Art Direction und  Szenenbild sind durchaus unterschiedliche Aufgaben. Ich hoffe, dass sich die Studierenden in der Ausbildung spezialisieren und einen klaren Fokus entwickeln.  Und ich hoffe, dass sie recht weit oben einsteigen. Vermutlich werden sie nicht sofort in einer großen Produktion die Führungspositionen bekommen. Aber vielleicht in einer kleineren oder mittleren Produktion.

Und zum Sommersemester 2017 erwarten Sie jetzt die ersten „Szenenbild“-Studierenden.

Donna Hanisch:  Wir freuen uns auf die erste Gruppe, mit der wir viel testen und intensiv arbeiten können!

Vielen Dank!

Anne Schulz für die Redaktion von Medienkarriere.NRW.


Donna Hanisch

Beruf: Leiterin Digital Film Arts / Szenenbild /Kostümbild bei der internationalen filmschule in Köln

Ausbildung: Gestaltungstechnische Assistentin, Grafik-Designerin in einer Werbeagentur,  über Grafiken für Filme der Quereinstieg ins Szenenbild

Was liebten Sie an Ihrer Arbeit im Szenenbild?

Die Chance, sich immer wieder in ein neues Thema einzuarbeiten! In meiner Zeit in der Werbeagentur musste alles Hochglanz sein. Es war für mich wie eine Offenbarung, als ich zum Film kam und etwas musste dreckig, schmuddelig, gemein wirken. Ich durfte auf einmal Schilder für japanische Bordelle machen und Beschriftungen für alte Fischbuden im Ruhrpott, Nazi-Weihnachtskugeln, 50er-Jahre Werbung oder ziselierte Parfüm-Logos. Jedes Mal arbeitet man sich in ein neues Thema ein und erweitert das eigene Repertoire. Der Unterschied zum üblichen Design oder zur normalen Architektur ist das narrative Moment. Das Gestalten für eine Geschichte macht unglaublich viel Spaß und empfinde ich als so viel sinnstiftender. Zudem drehten wir oft an unglaublich spannenden Locations, an die man so ohne weiteres nicht kommt.

Was schieben Sie auch schon mal vor sich her?

Absagen.

Welches  ist Ihr Lieblingsort in NRW?

Mein Garten.

Was braucht man, um beruflich in die Medienbranche einzusteigen?

Elementar – und übrigens nicht nur im Szenenbild – ist Begeisterungsfähigkeit. Zu lieben, was man tut. Man verdient gut beim Film, aber es ist auch schwer verdientes Geld. Abenteuerlust und die Bereitschaft, sich leidenschaftlich hinein zu  begeben: das sind fast die wichtigsten Kriterien. Film ist für mich immer eine Mischung aus Klassenfahrt und Wanderzirkus. Man muss die Bereitschaft haben, sich auf neue Leute, auf neue Begebenheiten einzulassen. Man muss bereit sein, sein Privatleben ein Stück weit nach hinten zu stellen. Wenn man diese Art zu leben und zu arbeiten mag, dann ist es die halbe Miete. Wenn nicht sogar mehr.

Was braucht man langfristig für eine Karriere im Medienbereich?

Man muss sehr gut kommunizieren können, ein gutes Konfliktmanagement haben. Es liegt in der Natur der Sache, dass sehr viele Problematiken, sehr viele unübersehbare Situationen auftauchen, dass viel zu tun ist, wo „viele Bälle in der Luft“ sind. Damit muss man umgehen können: mit viel Arbeit, mit sehr unterschiedlicher Arbeit, mit neuen Situationen, mit neuen Menschen. Und um als Szenenbildner erfolgreich zu sein, braucht man ein sehr, sehr gutes Gespür für Geschichten.

Wenn Sie Medienministerin in NRW wären, was würde Sie als erste Amtshandlung tun?

Die Aus- und Weiterbildungssituation verbessern. NRW ist das Bundesland mit dem größten Produktionsvolumen und stellt im Vergleich wesentlich weniger Mittel für Aus- und Weiterbildung bereit. So bleibt für den Nachwuchs oft nur der Weg über den Quereinstieg und Learning on the Job. Das halte ich nicht für den richtigen Weg, um Fachkräfte für die Filmbranche zu professionalisieren.

Auf welches Medienprodukt könnten Sie am schwersten verzichten?

Ich liebe meinen „Kindle“ und mein „iPad“. Mein „iPhone“ habe ich nicht so lieb, aber das brauche ich leider am meisten.

Auf welches Medienprodukt könnten Sie am leichtesten verzichten?

Frauenzeitschriften.

Ihr aktueller Tipp: was sollte man nicht verpassen?

Ich lese gerade Popcorn von Ben Elton. Das ist nicht gerade eine Neuerscheinung. Aber ich mag, wie er mit dem Thema „Gewalt im Film“ umgeht gerne. Da bleibt keiner ungekränkt!

Zurzeit begeistert mich die Serie: Shameless Szenenbild, Kostümbild und die Rollensetzung greifen ineinander. Das ist nahezu vorbildlich gemacht, mit großem dramaturgischem Verständnis. Die Macher kennen ihre Figuren genau und wissen, was sie bewegt, wie sie wohnen,  wie sie arbeiten.

Winter’s Bone fand ich auch überzeugend. Der Film spielt im schlimmsten amerikanischen Milieu. Er ist aber derartig authentisch gemacht, dass es fast eine Schönheit bekommt, obwohl es wirklich widerlich ist.  Auch hier sieht man, was erreicht werden kann, wenn die Gewerke zusammen spielen.

Mich stört oft bei deutschen Filmen, dass Geschichte, Figuren und Gestaltung auseinander fallen. Das Szenenbild ist überzeichnet, die Maske ist nicht passend und das Licht zu artifiziell. Dann denkt man: wie schade!! Es reißt einen so schnell aus der Geschichte heraus.

Welch anderen (Medien-)Job würden Sie gerne mal ausprobieren?

Kostümbild! Sich so intensiv mit Rollen und Charakteren auseinander zu setzen, macht viel Spaß. Wenn ich noch mal neu anfangen würde, würde ich vermutlich ins Kostümbild gehen.

Das Kostüm stellt oft ein Drittel des Bildes, das darf man nicht unterschätzen. Es ist ein wichtiger Miterzähler, mit starken Erzähl-Möglichkeiten. Kostüm ist schneller im Erzählen, passt sich viel eher der Situation des Charakters an.

Und jeder Mensch ist instinktiv in der Lage, Muster in der Kleidung des andern zu sehen und sie zu interpretieren. Ob das stimmt, ist noch eine andere Frage, aber es erzählt viel. Deshalb ist Kostüm so spannend. Immer auf der Gratwanderung, wie weit bewege ich mich vom Cliché weg und wie nahe bleibe ich dran, damit es erkennbar bleibt. Das ist ein unheimlich feines Arbeiten.