Studiengänge


Filmschule baut Master-Programm aus

Nach „Serial Storytelling“ folgt ab 2016 der Master-Studiengang „Digital Narratives“, der das digitale Erzählen in den Mittelpunkt stellt. Die internationale filmschule ifs in Köln erweitert damit erneut ihr Studienangebot. Ziel des Masters ist, neue Erzählformen zu entwickeln und zu erproben.



„Die Lehre an der ifs ist von zwei Kernbegriffen geprägt: Es geht um das Geschichtenerzählen und um das kollaborative Arbeiten.“, erläutert die Geschäftsführerin Simone Stewens, „Beide Elemente ziehen sich durch sämtliche Studiengänge. Auch der neue Studiengang hat dieses Profil.“

Der Studiengang wird kritische Fragen stellen und dies mit erzählerischen Projekten verbinden.

Bei „Digital Narratives“ wird einerseits die digitale Entwicklung reflektiert. „Dahinter steht das Bedürfnis, die Digitalisierung mit ihren Implikationen und Wirkungen auf Kultur und Gesellschaft auch kritisch zu betrachten. Es geht also nicht nur darum, die Vorteile zu sehen sondern auch ethische Fragen zu stellen. Der technologische Wandel löst Veränderungen aus. Zum Beispiel führt eine größere Transparenz dazu, dass es schwieriger wird, Privates privat zu halten und von der Öffentlichkeit zu trennen.“, so Stewens im Gespräch mit MK. NRW. Andererseits dient die kritische Reflektion dazu, eigene Projekte zu entwickeln. „Der Studiengang wird kritische Fragen stellen und dies mit erzählerischen Projekten verbinden. Die erzählerischen Projekte werden sich in den digitalen Medien bewegen, sie aber gleichzeitig hinterfragen. Es geht um Innovation, um Experimente. Es geht darum, etwas Neues zu erproben und zu erforschen. Und zwar nicht nur wissenschaftlich sondern auch künstlerisch.“

Es geht um die Erschaffung erzählerischer Räume, die mit dem klassischen linearen Schreiben wenig zu tun haben.

Im Master-Studium werden neue Erzählformen konzipiert, wird die Stoffentwicklung für verschiedene Plattformen erprobt. Die Ideen sollen dabei nicht einfach schematisch auf weitere Produktlinien übertragen werden. „Es geht um die Erschaffung erzählerischer Räume, die mit dem klassischen linearen Schreiben wenig zu tun haben.“, betont Simone Stewens, „Einfach existierende Produkte auf weitere Medien zu erweitern, ist nicht unser Ansatz. Jedes Medium erfordert eine eigene Form, die nicht so einfach zu übertragen ist.“ Stewens grenzt das neue Masterprogramm klar von anderen Konzepten ab: „Wir vermeiden den Begriff ‚transmedial‘, weil er suggeriert, dass man einen erzählerischen Kern in verschiedenen Medien nutzt, den erzählerischen Kern aber nicht verändert. Darum geht es aber nicht. Im Mittelpunkt steht non-lineares Schreiben. Ziel ist, Interaktivität mit dem Erzählen zu verbinden. Es geht darum, zu antizipieren, wie sich ein User verhält und ihn in den Dialog mit der Erzählung einzubinden. Und das muss von vorneherein bei der Konzeption berücksichtigt werden.“

Als Fallbeispiele, die im Studium behandelt werden, dienen auch Projektideen, die die Studierenden bereits bei der Bewerbung einreichen. Während des Studiums wird die Realisierbarkeit dieser Ideen ausgelotet. Im Idealfall werden die Projekte bis zur Marktreife weiterentwickelt. Dabei können auch Prototypen entstehen, die es später erleichtern, Financiers zu gewinnen.

Man lernt, mit Innovation so umzugehen, dass man sie im Markt platzieren kann.

Simone Stewens legt auf diesen unternehmerischen Aspekt großen Wert: „Es geht uns auch um die Bildung von Entrepreneurship-Kompetenzen. Die Studierenden entwickeln das Mindset eines freischaffenden, unternehmerisch denkenden Kreativen. Man lernt, mit Innovation so umzugehen, dass man sie im Markt platzieren kann.“ Denn schließlich soll das Master-Studium „letzten Endes die Absolventen befähigen, mit dem, was sie entwickelt haben, Geld zu verdienen.“

Das neue Master-Studium dauert vier Semester und ist mit Vollzeit-Veranstaltungsblöcken so aufgebaut, dass außerhalb der Präsenzphasen eine Tätigkeit als Freiberufler oder in zeitlich begrenzten Jobs nicht ausgeschlossen ist.

Am Ende stehen Führungs- persönlichkeiten für die Kunst- und Medienarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Und wo können die Absolvent/innen später arbeiten? „Am Ende stehen selbstbewusste, teamfähige Führungspersönlichkeiten für die zukunftsorientierte Kunst- und Medienarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.“, heißt es in der Beschreibung des Studiengangs. Für Stewens gibt es da eine Reihe von Optionen: „Die Absolventen sind fähig, in mehreren Medien zu erzählen. Sie können also als Creative Director, Narrative Designer oder Story Designer arbeiten. Sie können auch als Game Designer in die Games Entwicklung gehen. Sie können im Journalismus oder als Autor Storywelten entwickeln. Auch in Verlagen gibt es inzwischen Entwicklungsabteilungen für digitale Projekte.“

Bewerben können sich Bachelor-Absolvent/innen mit Abschlüssen aus den Bereichen Film, Fernsehen, Theater, Design, Medienkunst, etc. Die Bewerber/innen sollen Berufspraxis mitbringen und drei Projektideen einreichen. Die Studien-Gebühren werden pro Semester 2500 Euro betragen. Bewerbungsschluss ist für den ersten Jahrgang des „Digital Narratives“ –Master ist der 14. März 2016. Der Studienbeginn wird im September 2016 sein.

Die Studiensprache ist Englisch, deshalb erwartet die ifs auch internationale Bewerber/innen. Schon bei Serial Storytelling sind die Studierenden international gemischt. „Die Studierenden kommen aus allen Ecken der Welt. Aus Luxemburg und Litauen ebenso wie aus Kolumbien.“, schildert die Leiterin der ifs.

Mit dem Master „Digital Narratives“ sind die Master-Planungen der ifs aber nicht abgeschlossen. 2016 wird dann eine einjährige Masterclass „European Master in Sound“ folgen, die in Zusammenarbeit mit der KASK School of the Arts in Gent und der NFA- Nederlandse Film Academie in Amsterdam durchgeführt wird. Später soll aus der Masterclass ein zweijähriges Masterprogramm mit einem Joint Master Degree werden.

Der Master ‚Film‘ ist unser nächstes großes Projekt! Wir brauchen diesen Master unbedingt.

Das große Ziel ist jedoch, einen Master „Film“ der auf das Bachelorstudium „Film“ aufbaut, einzuführen. Für diesen weiteren Master liegen die Konzepte schon in der Schublade. „Die Master ‚Serial Storytelling‘ und ‚Digital Narratives‘ konnten wir jetzt realisieren. Wir sehen den Bedarf und das Interesse, neue Erzählformen zu entwickeln. Aber der Master ‚Film‘ ist unser nächstes großes Projekt!“, bestätigt Stewens, „Wir brauchen diesen Master unbedingt. Unsere Bachelor-Absolventen fragen danach. Dafür sind allerdings größere Investitionen erforderlich. Ein ‚Film‘-Master ist mit der Frage verbunden, wie Langfilme produziert werden können. Wir haben jetzt im Bachelor-Studium zum ersten Mal ein Langfilm-Projekt. Das strapaziert die vorhandenen Kapazitäten bis zum äußersten. Deshalb brauchen wir dringend einen Masterstudiengang ‚Film‘, der das Bachelor-Studium weiterführt.“

Gerade bei Studienrichtungen wie Regie macht sich zudem die Tatsache bemerkbar, dass die Abiturient/innen immer jünger werden. Sie bewerben sich zum Teil bereits ein Jahr vor dem Abitur, berichtet die ifs-Geschäftsführerin. „Ihnen fehlt die Welterfahrung. Auch die Vorstellung vom Beruf ist nicht immer zutreffend, das kann im Studium zu Krisen und Enttäuschungen führen. Beispielweise ist Regie ein großartiger Beruf, es ist aber auch ein beinharter Beruf, wenn man davon leben will.“ Um in komplexen, künstlerischen Berufen Fuß zu fassen, käme gerade jungen Berufseinsteiger/innen eine längere Entwicklungsphase zugute, wie sie ein Bachelor+Master-Modell bieten würde.

Für diejenigen, die in die Konzeption gehen wollen, ist mit jetzt mit dem Master „Digital Narratives“ eine Studienoption geschaffen worden, die den Weg für weitere Master ebnen könnte.

Es tut sich was bei der ifs.

Anne Schulz, Medienkarriere.NRW


Links

MA Digital Narratives

www.filmschule.de/seiten/dig...
 

Simone Stewens