Berufe für Mobile Natives


Aus dem Gebrauch von Smartphones und Tablets sind Apps nicht weg zudenken. Kleine schlaue Programme für mobile Geräte, die das Leben erleichtern sollen. Sie helfen beim Suchen&Finden, beim Austausch mit Freund/innen, beim Einkauf, vermitteln Wissen, unterhalten, trösten, bieten Spielvergnügen. Sie sollen bei 1001 Alltagsthemen das Leben der Nutzer/innen vereinfachen. Ihre Anzahl geht in die Millionen – bei Milliarden Downloads.

Zugleich werden sie im Arbeitsalltag eingesetzt, um z.B. die innerbetriebliche Kommunikation zu vereinfachen. Ein Beispiel ist die schnelle Abfrage durch Vertriebsmitarbeiter, welche Produkte im Lager verfügbar sind.

In der Entwicklung von Apps spielen Software-Spezialist/innen eine große Rolle. Ebenso wichtig wie die reine Programmierung sind aber Konzeption, Design und Vermarktung. In allen Feldern ist Teamarbeit besonders wichtig, da nicht nur die Projekte sondern auch die Arbeitsstrukturen neu entwickelt werden.

Wie das Produkt selber entwickelt sich zurzeit das Berufsfeld. Die Arbeitsbereiche und Arbeitsteilung in den Teams sind noch nicht so genau definiert wie bei Medienprojekten in der Radio-, Fernseh- oder Buchproduktion.

Viele App-Entwickler/innen, die heute erfolgreich arbeiten, haben zuvor Internetseiten betreut oder sind weiterhin in beiden Felder beruflich unterwegs. Je nach Arbeitsschwerpunkt können sie über Qualifikationen etwa in der Informatik, der Psychologie, der Physik, der Mathematik, des Designs, in Journalismus und Redaktion verfügen.

In Bildungsgängen (z.B. im Bereich Informatik, Design, Marketing), die sich Projekten aus dem mobilen Kontext widmen, werden Apps als Thema aufgegriffen. Grundständige Bildungsangebote, die sich ausschließlich auf das Thema App spezialisieren, wurden bisher noch nicht eingeführt.

Es ist also eine Pionier-Situation. Das Schöne ist: viele Wege stehen offen.

App-Entwicklung: Konzeption

Wie bei jedem Projekt wird zunächst ein Konzept entwickelt. Dabei müssen eine Menge Fragen beantwortet werden wie: Welchen Zweck soll die App erfüllen? Wer soll sie nutzen? Welche Bedürfnisse haben die Benutzer/innen, war erwartet die Zielgruppe? Wie komplex soll die Anwendung sein? Welche Navigation, welche Struktur bietet sich an? Wie sieht das Design aus? Wie kann die Umsetzung erfolgen? Für welche Plattformen soll die App entwickelt werden? Welche technischen Voraussetzungen müssen erfüllt werden? Welche Sprachen sollen vorgesehen werden? Sind Urheberrechte zu beachten? Wo liegen Vor- und Nachteile einer bestimmten technischen Lösung? Welche Aktualisierungsanforderungen entstehen? Mit welchem Aufwand, welchen Kosten muss gerechnet werden? Wie groß ist der Bedarf für die App? Wie originell ist die Idee? Welches Marktumfeld gibt es? Welche Erlöse sind zu erwarten? etc. etc.

Ob die Konzeptionsmodelle für Apps in fünf, sieben oder neun Schritten definiert werden, allen ist die Einschätzung gemeinsam, dass eine gute Planung unnötigen Aufwand verhindert. Die Planung umfasst sowohl inhaltliche wie technische und betriebswirtschaftliche Fragen, bei deren Beantwortung umfangreiche Qualifikationen und Projekterfahrung helfen.

Mit der Konzeption von Apps werden häufig Agenturen beauftragt, die für Firmen-Kunden auch Planung, Umsetzung und ggf. Vermarktung übernehmen. Aber auch auf der Seite der Firmen-Kunden, die Apps in Auftrag geben, sind versierte Ansprechpartner/innen erforderlich, die das Projekt begleiten und steuern.

An der Konzeption werden Expert/innen der verschiedenen Bereiche (Software, Design, Marketing etc.) beteiligt. Die unterschiedlichen Aspekte unter einen Hut zu bringen, ist Aufgabe der Projektleitung, die auch die spätere Umsetzung steuert und koordiniert. Sie muss die verschiedenen Arbeitsschritte, Anforderungen, Budgets und Terminpläne im Auge behalten.

Den Einstieg in das Berufsfeld kann ein Studium eröffnen. Relevante Studiengänge sind einerseits: Informatik, Medieninformatik, Wirtschaftsinformatik, Informationsmanagement oder andere Informatik-nahe Studiengänge. Andererseits können auch Studiengänge wie Betriebswirtschaft bzw. spezialisierte Studiengänge wie Kommunikations- und Multimediamanagement, Media and Communications for Digital Business in das Arbeitsfeld führen. Die Alternative ist eine Berufsausbildung, z.B. als Fachinformatiker/in, die durch einschlägige Berufserfahrung ergänzt wird.

APP-Entwicklung: Programmierung, Design

Steht das Konzept, geht es an die Umsetzung. Die technischen Anforderungen hängen von der Komplexität und den Geräten ab, über die die Apps genutzt werden soll. Für die Entwicklung ist z.B. relevant für welche Betriebssysteme (wie Android, iOS) die App gedacht ist. Dafür werden spezifische Softwaresprachen (C++, Java) genutzt.

Die Umsetzung komplexer Projekte kann von größeren Entwicklungsteams mit differenzierter Rollenverteilung übernommen werden. In ihnen können Spezialist/innen für spezielle Software, die Informationsarchitektur, die Navigation/ Bedienungs-Oberflächen, die Grafik, das Projektmanagement etc. vertreten sein. Die Gestaltung wird von Grafiker/innen anhand der Projektvorgaben (Corporate Design des Kunden) und der Inhalte umgesetzt.

Für simplere Produkte gibt es inzwischen auch standardisierte Baukasten-Systeme, die keine so tiefe Fachkenntnis erfordern.

Den Einstieg in das Berufsfeld kann ein Studium eröffnen. Relevante Studiengänge sind einerseits: Informatik, Medieninformatik, Wirtschaftsinformatik, Informationsmanagement oder andere Informatik-nahe Studiengänge.

Die Alternative ist eine Berufsausbildung, z.B. als Fachinformatiker/in, die durch einschlägige Berufserfahrung ergänzt wird.

Für die grafischen Arbeitsbereiche ist ein Design-Studium oder die Ausbildung als Mediengestalter/in Digital und Print eine passende Qualifikation.

APP Vermarktung

Werden Apps im Unternehmenskontext (zum Beispiel bei internen Arbeitsprozessen) eingesetzt, spielt die Vermarktung keine so große Rolle. Für alle anderen Projekte gilt, dass sie sich refinanzieren müssen. Dabei sind gibt es zwei Grundmodelle. Kostenpflichtigen Apps werden von den Kund/innen gekauft. Hier ist die Positionierung in den jeweiligen App-Stores wichtig, Empfehlungen, Besprechungen, positive Tests können den Verkauf beflügeln. Kostenfreie Apps werden entweder komplett vom Auftraggeber finanziert (z.B. als Mittel der Öffentlichkeitsarbeit für Non-Profit- Organisationen, als Marketinginstrument für andere Produkte oder Dienstleistungen) oder sie enthalten Werbung. Zudem können zunächst kostenfreie Apps kostenpflichtige Zusatzelemente enthalten, die von den Nutzer/innen bestellt werden können. So bestimmte Spiel-Features, Erweiterungen usw.

Das Markting rund um Apps übernehmen PR-Fachleute. Sie platzieren die Apps in den Stores und kontaktieren Fachmedien. Auch das Einwerbung von Anzeigenkunden, die ihre Werbung über Apps schalten wollen, wird von Marketing-Spezialist/innen übernommen.

Wie im Web insgesamt sind die Geschäftsmodelle noch nicht abschließend definiert. So stehen auf der einen Seite hohe Downloadzahlen. Andererseits ist die Erwartung verbreitet, viele Inhalte völlig kostenfrei nutzen zu können. Deshalb ist die Entwicklung einer guten App, die auf breites Interesse stößt, keine Garantie für die Entwickler/innen daraus hohe Gewinne ziehen zu können.

Der Einstieg ins Marketing kann z. B. über ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing oder ach über eine Berufsausbildung: Kauffrau/mann für Marketingkommunikation, Medienkauf/mann Digital und Print erfolgen.


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