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»Es geht darum, Geschichten schnell und interessant zu erzählen.«

Interview mit Josephine Öhmke, Human Resources Manager bei Mediakraft Networks GmbH


Die Mediakraft Networks GmbH beschreibt sich als eine der führenden Online-TV-Sendergruppen Europas und wurde 2011 gegründet. Es ist ein junges, stark gewachsenes Unternehmen. Was ist wichtig, um in ein solches Team zu passen?

JOSEPHINE ÖHMKE:  Offenheit, Kommunikationsfreude und „Social Media im Blut“ zu haben! Unser Business sind Social Media Online Plattformen. Viele unserer Mitarbeiter sind mit Social Media aufgewachsen. Für sie ist es selbstverständlich, alles übers Netz zu machen. Es ist keine Voraussetzung, dass jeder auf Instagram, Snapchat, Facebook etc. private Profile unterhält. Aber entscheidend ist, am Puls der Zeit zu sein und Lust zu haben, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Dementsprechend ist es ein sehr junges Team?

Bei uns arbeiten nicht nur 23-jährige, die „mit dem Handy geboren wurden“

Wir hatten zu Beginn einen Altersdurchschnitt, der knapp unter 30 Jahren lag. Der ist jetzt ein bisschen gestiegen. Bei uns arbeiten nicht nur 23-jährige, die „mit dem Handy geboren wurden“. Wir haben auch Kollegen, die vorher 15, 20 Jahre in einem klassischen Medienbereich oder in einer ganz anderen Branche gearbeitet haben.

Welche Berufsfelder gibt es bei Ihnen?

Wir haben tatsächlich sehr unterschiedliche Berufsfelder. Ein wichtiger Bereich sind die Artist Manager. Sie betreuen Künstler, gehen mit ihnen auf Tour. Einige Artist Manager bauen auch kleinere Künstler auf, die noch nicht viele Abonnenten haben, oder arbeiten stärker analytisch im Hintergrund. Ein weiteres großes Team kümmert sich um die Vermarktung unserer Künstler und unseres Contents, berät Werbe-Kunden, entwirft Produkte und setzt Kampagnen um. Ein dritter großer Bereich ist die Produktion. Wir produzieren zum Teil für unsere Artists aber auch eigenen Original-Content. In der Produktion arbeiten Cutter, Kameraleute oder Producer. Ein vierter Bereich ist Marketing, wozu auch Fan-Development und Optimierung des Contents gehört, und schließlich die Administration, von der Buchhaltung bis zu Human Resources. Das Thema Social Media ist überall präsent. Das ist die Basis, die alle Mitarbeiter gemeinsam haben.

Online-TV zu produzieren bedeutet nicht: billigeres Fernsehen zweiter Klasse?

Es geht darum, Geschichten schnell und interessant zu erzählen.

Es wird einfach anders erzählt! Das sollte man verstanden und verinnerlicht haben. Die Art und Weise, wie bei uns geschnitten wird, oder wie ein Video aussieht, unterscheidet sich schon sehr stark von dem klassischen cineastischen Format. Videos haben meist nur eine Länge zwischen fünf und zehn Minuten. Da bleibt keine Zeit für lange Szenen oder ausschweifende Gespräche, sondern da gibt es viele Jump Cuts. Es geht darum, Geschichten schnell und interessant zu erzählen. Deswegen haben wir viele Mitarbeiter, die privat YouTube Kanäle haben: Sie kennen die Trends und wissen, was aktuell läuft, was sich verändert. YouTube verändert sich ständig. Das Geschäftsfeld wird täglich, wenn nicht sogar stündlich weiterentwickelt. Und wenn Interesse und Offenheit dafür da sind, an dieser Entwicklung dran zu bleiben, dann ist man hier genau richtig.

Die Lochis. Videodays 2016. © Mediakraft
Momentan haben Sie fünf Standorte?

Ja. Köln ist der Unternehmensschwerpunkt. Hamburg und Berlin sind Produktionsstandorte, dazu kommen Warschau und Istanbul. In Köln arbeiten 55 Vollzeit-Mitarbeiter, insgesamt sind es rund 75 in Deutschland, international rund 100.

Wenn wir die unterschiedlichen Berufsfelder genauer ansehen: Das Artist Management ist ein Kern-Bereich. Wenn ich da einsteigen möchte, was sollte ich mitbringen?

Spaß am Umgang mit Menschen, auch mit sehr kreativen Persönlichkeiten! Wichtig sind außerdem Organisationstalent, Stressresistenz - das ist notwendig - und die Fähigkeit, den Überblick zu behalten. Wenn man als Artist Manager größere Künstler betreut, muss man bereit sein, zu reisen und kontaktfreudig sein. Man ist Türöffner für die Künstler, wenn es darum geht, sie auf ein Event zu bekommen. Da sind auch bestehende Kontakte sehr hilfreich.

Je erfolgreicher die Artists sind, desto mehr ist das eine 1:1 Betreuung? Und bei Nachwuchstalenten betreut man mehrere Personen?

Das hängt in der Tat stark mit dem Erfolg der Künstler zusammen, und auch mit ihren aktuellen Projekten Die wirklich großen Artists, die teilweise Millionen Abonnenten haben, werden von  persönlichen Ansprechpartner im Artist Management betreut. Dazu gehören beispielsweise  „Die Lochis“,  „Bullshit TV“, „Freshtorge“, „Klein aber Hannah“ die „Grischistudios“ und viele mehr. Für kleinere Kanälen bieten wir ein abgestuftes Talent-Programm an, mit einem Netzwerk-Austausch über ein Forum und später speziellen Trainings, Künstler-Treffen bis hin zu individueller Beratung.

Kommen viele Artist Manager aus dem Musikbusiness?
Auf den Videodays 2016. © Mediakraft

Wir haben auch viele junge Leute, die direkt nach der Schule hier ein Praktikum gemacht haben und einfach geblieben sind. In den letzten zwei Jahren haben wir vermehrt Mitarbeiter eingestellt, die eine abgeschlossene Ausbildung bzw. ein Studium haben, über Berufserfahrung verfügen und ein Netzwerk mitbringen. Viele kommen tatsächlich aus dem Musikbusiness, weil das noch am ehesten vergleichbar ist. Unser Abteilungsleiter im Artist Management hat, beispielsweise, vorher fünfzehn Jahre im Musik-Bereich gearbeitet und dort Künstler vermarktet.

Im nächsten Bereich, der Vermarktung, geht es um kaufmännische Kompetenzen? Wie sie Kaufleute für Marketingkommunikation oder BWL-Absolventinnen mitbringen?

Im Vermarktungsbereich geht es zunächst um die Kampagnenentwicklung. Diese Mitarbeiter kommen z.B. aus Werbeagenturen und können einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund mit Marketing-Schwerpunkt haben. Sie entwickeln kreative Ideen und Konzepte für Kooperationen von Künstlern oder Formaten mit Unternehmen. Dann gibt es den Vertrieb, dessen Mitarbeiter zum Kunden fahren und unsere Produkte, unsere Künstler vorstellen. Diese Leute kommen häufig aus dem Sales Bereich.

Sie fahren z.B. zu einer Mode-Marke und besprechen, welcher Artist wäre z.B. ein guter Werbeträger für ein junges Mode-Label?

Wir vermarkten eher Reichweite als bestimmte Künstler.

Wir vermarkten eher Reichweite als bestimmte Künstler.  Marken und Agenturen haben ganz konkrete Vorstellungen, da prüft man, was passt. Dazu arbeiten die Sales Mitarbeiter eng mit der Kampagnenentwicklung zusammen. Und wenn die Kampagne verkauft ist, muss organisiert werden, wie sie umgesetzt wird. Das sind Mitarbeiter aus der Produktion. Sie wissen, wie Dreharbeiten organisiert werden, welche Technik erforderlich ist.

Ein Arbeitsbereich für Producer?

Das ist zu vergleichen. Sie sind die Schnittstelle zwischen  Produktion, Vertrieb, dem Kunden und den Künstlern. Sie müssen wissen, wie alle diese unterschiedlichen Interessen bedient werden können.

Produktion „The Great War“ © Mediakraft
Und in der Produktion sind Technik-Kenntnisse erforderlich?

Das ist beispielsweise der klassische „Mediengestalter Bild und Ton“. Mit Kamera, Licht, Ton, Schnitt. Natürlich auf einem anderen Level als bei einer Kinoproduktion. Wir haben keine EB-Kameras sondern drehen mit Spiegelreflexkameras. Wir haben Ansteckmikrofone und setzen Licht, besitzen aber keine ausgefeilte Studioausleuchtung. In der Produktion kommen viele Mitarbeiter aus dem TV-Bereich, das bietet sich an. Auch bei Social Media und im Marketing sind übrigens viele Mitarbeiter, die vorher bei Fernsehsendern gearbeitet haben und sagen: „Für mich ist Online das Zukunfts-Medium!“

Wichtig ist sicherlich, den Erfolg der Kampagnen zu messen, z.B. mit Analysetools. Machen das Medien-Informatikerinnen?

So komplex ist das nicht. Man muss natürlich wissen, was für Parameter es gibt. Die meisten Leute, die bei uns in diesem Bereich arbeiten, sind fast von Anfang an dabei, sie haben die Entwicklung live mitbekommen. Letztendlich ist es sehr intuitiv und es gibt regelmäßige Zertifizierungen, die alle unsere Mitarbeiter durchlaufen. Da werden sie von YouTube in diesen analytischen Bereichen geschult.

Neben der Betreuung von Artists produzieren Sie auch eigenen Content, z.B. „The Great War“ über den 1. Weltkrieg. Dieses Format wendet sich nicht nur an die übliche Zielgruppe von 14 bis 29 Jahren. Entstehen jetzt Kanäle für andere Alterssegmente, über andere Themen?

Die Herausforderung ist, (...) Themen anzubieten, für die sich jemand interessiert, der älter ist.

Wir haben eine sehr gute Abdeckung von 12/ 14 Jahren bis Mitte 20. Die Herausforderung ist, mit den Zuschauern zu wachsen und Themen anzubieten, für die sich jemand interessiert, der älter ist. Man merkt auf YouTube, dass immer mehr Themen entstehen. Momentan sind Hausfrauen-Kanäle total beliebt, die Putzroutinen zeigen. Wahrscheinlich hätte vor zehn Jahren niemand gedacht, dass sich jemals jemand anguckt, wie jemand anders seine Wohnung putzt.

Besser zugucken beim Putzen, als es selber machen.

Man muss Inhalte für breitere Zielgruppen entwickeln. „The Great War“ ist im angloamerikanischen Raum sehr erfolgreich. Der Kanal wird auf Englisch produziert und moderiert. Die informativen Inhalte werden auf unterhaltsame Weise in typischem YouTube-Stil vermittelt. Dahinter steckt viel Recherche-Aufwand. Wir haben ein Kernteam von vier Leuten, die sich um diesen Kanal kümmern. Darunter sind studierte Historiker, die die Fakten prüfen. Wir haben schon Anfragen von Geschichtslehrern, die das im Unterricht verwenden wollen. Es ist also hochwertiger Content, der eine breite und ältere Zielgruppe anpricht.

In welchen Arbeitsfeldern haben Sie einen besonders hohen Personalbedarf? Wo müssen Sie länger suchen?

Da wir einen relativ bekannten Namen haben, kommen auch viele zu uns und sagen: „Hey, ihr seid Vorreiter, ich möchte mitmachen!“.  Länger suchen wir tatsächlich im Vertrieb, weil wir Mitarbeiter suchen, die bereits ein Netzwerk mitbringen. Die Kontakte zu Agenturen haben und wissen, was Agenturen brauchen. Wir suchen auch Mitarbeiter für die Produktion, weil wir bei jedem größeren Projekt neue Leute engagieren. Diese Stellen können  wir meist recht gut besetzen. Wir merken, dass gerade die jüngeren Absolventen keine Lust mehr auf Fernsehen oder Kino haben, sondern in die Online-Welt gehen wollen.

Und Mediakraft bildet selber „Mediengestalter Bild und Ton“ aus?

Aktuell bilden wir drei „Mediengestalter Bild und Ton“ aus, zwei in Köln, einen in Berlin. Wir könnten auch „Kaufleute für audiovisuelle Medien“ und „Kaufleute für Marketingkommunikation“ ausbilden. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.  Es sind häufig Bewerber, die schon Videos für YouTube gemacht haben. Nach der Schule wollen sie sich professionalisieren. Das ist eine wunderbare Kombination für uns. Die Bewerber kommen aus dem Medium, bringen Ideen mit und verstehen den Kosmos.  Sie sind darin aufgewachsen und hängen eine formale Ausbildung an, wobei wir sie sehr gerne unterstützen.

Über welche Bewerbungen freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich immer über Leute, die sich Gedanken gemacht haben. Oder wo man optisch nicht diesen 08/15-Lebenslauf, in Times New Roman schwarz-weiß, bekommt.  Nichtsdestotrotz kommt es vorrangig auf den Inhalt an. Die Fachqualifikationen müssen stimmen. Wir wissen selbstverständlich, dass wir aufgrund der Neuheit des Berufsfeldes nicht erwarten können, dass jemand schon seit 20 Jahren Online-Bewegtbild-Erfahrung hat. Aber aus der Bewerbung muss klar hervorgehen, wo es die jeweiligen fachlichen Anknüpfungspunkte gibt.

Auch durch Arbeitsproben?

Gerade im Produktionsbereich, bei Cuttern, Kameraleuten, Producern fordern wir explizit Arbeitsproben! Da ist es natürlich schön, wenn jemand etwas auf YouTube gemacht hat. Meistens bekommen wir als Arbeitsproben jedoch das klassische Portfolio: Kinofilme, Kurzfilme, Dokumentationen, szenische Geschichten. Die sind sicherlich interessant anzusehen, wir können daraus aber schlecht ableiten, ob jemand qualifiziert ist, unsere Videos zu schneiden. Aber wir setzen in der Regel nicht voraus, dass jemand explizit  ein YouTube-Video gedreht oder produziert hat. Sondern, dass jemand die Materie versteht, die Formate kennt und weiß, wo sind da die Unterschiede, wie wirkt das auf Zuschauer.

Wenn Sie jemand vor sich haben, der gerade die Schule beendet und in Ihr Arbeitsfeld möchte: Was würden Sie dieser Person raten?

Ich rate jedem, nicht nur ein Prak- tikum sondern auf jeden Fall entweder eine Ausbildung oder ein Studium zu machen!

Ich würde raten, erst mal ein Praktikum zu machen, um herauszufinden, welcher Bereich mir liegt. Zum Beispiel eher die Produktion oder der kaufmännischen Bereich?! Viele unserer Auszubildenden waren vorher als Praktikanten bei uns. Wir konnten sehen, da ist Potential, die Leute haben wirklich Lust, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich bin persönlich der Überzeugung und rate es auch jedem, nicht nur ein Praktikum sondern auch auf jeden Fall entweder eine Ausbildung oder ein Studium zu machen!

Wie eine Ausbildung als „Mediengestalter Bild und Ton“ oder eine kaufmännische Ausbildung. Welche Studiengänge würden passen?

Man kann im Prinzip studieren, was man möchte. In einer  Ausbildung oder einem Studium lernt man, wie man sich organisiert, wie man Dinge plant,  wie man lernt. Wichtig ist nicht unbedingt, was man lernt, sondern wie man lernt. Man schafft eine Basis für das weitere berufliche Leben.

Als mittelständiges Unternehmen hat man mit eine hohe wirtschaftliche Verantwortung.  In der Chefetage arbeiten Personen, die aus dem Management kommen, langjährige Branchenerfahrung mitbringen?

Bei unserer aktuellen Geschäftsführung ist das deutlich:  Boris Bolz war vorher Geschäftsführer bei Red Bull, Constantin Stammen war unter anderem CFO bei denkwerk und T-Systems Ltd., Levent Gültan ist ein erfahrener Business Manager und Stratege mit mehr als 15 Jahren  internationaler  Erfahrung und verfügt über einen MBA. Und wenn man sich die Ebene darunter anguckt,  das mittlere Management oder die Abteilungsleitung, auch da haben wir Leute, die vorher bei großen Unternehmen, wie RTL, 1&1 oder der EMI gearbeitet haben. Diese Erfahrung und Know-how braucht man vermehrt, wenn ein Unternehmen erwachsen wird und in einem professionellen Umfeld arbeitet.

Eine Mischung also zwischen einer ganz soliden Struktur und dem Blick auf ein ganz neues Format?

Genau. Ich glaube, dass die Generation, die jetzt ins Berufsleben startet, eine sehr gute Basis hat. Weil sie das, worum sich unser Geschäftsmodell dreht, täglich aufsaugen. Für sie ist es keine Frage: “Habe ich einen Instagram Kanal oder einen Snapchat Kanal? Ich habe es einfach und für mich ist das gang und gäbe!“ Sie müssen im Prinzip jetzt noch lernen, wie sie das in einem professionellen Umfeld einsetzen können. Und dann sind sie bei uns genau richtig!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Anne Schulz, Medienkarriere.NRW


Zur Person

Josephine Öhmke

Beruf: Human Resources Manager bei Mediakraft Networks GmbH

Ausbildung: Studium der Public Administration in Münster. Danach im Headhunting und der Personalrekrutierung. Berufsbegleitend im Master-Studium: Human Resources Management.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Die Vielseitigkeit. Von der Bewerbung bis zum Arbeitszeugnis sind das ganz verschiedene Bereiche, die in meinen Verantwortungsbereich fallen, und ich habe mit ganz vielen verschiedenen Menschen zu tun. Ich bekomme dazu sehr viel mit, was im Unternehmen passiert. Weil ich für jeden Bereich neue Mitarbeiter suche, muss ich genau wissen, was macht jeder Bereich? Wer arbeitet da? Wer könnte da reinpassen?

Gibt es etwas, was Sie auch mal vor sich herschieben?

Alles, was mit Behörden zu tun hat. Das ist nicht mein Favorit, aber es gehört dazu. Das muss gemacht werden, wie in jedem Job.

Gibt es jemand, der Sie in Ihrer Berufsbiografie schon sehr beeindruckt hat? Also ein Vorbild?

Ich persönlich finde den Führungsstil, den wir aktuell haben, sehr angenehm, sehr auf Kommunikation orientiert. Gemeinsam über Sachen nachdenken und offen sein für andere Ideen, das finde ich gut. Und das so umzusetzen und trotzdem ein Unternehmen zu führen, das ist eine Gratwanderung, die man erst mal schaffen muss. Das hat unsere Geschäftsführung sehr gut im Griff. 

Was braucht man beim Berufseinstieg?

Im Personal-Bereich braucht man neben Interesse am Thema und Organisationstalent ein Gespür für Menschen. Je mehr man mit  Leuten spricht, desto besser entwickelt sich das. Gleichzeitig muss man eine gewisse Distanz wahren. Wenn man dazu neigt, sich mit jedem Kollegen privat anzufreunden und gemeinsam auszugehen, dann wird es schwierig, wenn man dem einen oder anderen mal eine schlechte Nachricht mitteilen muss.

Haben Sie in NRW einen Lieblingsort?

Ich komme aus Magdeburg, habe in Münster studiert und wohne jetzt in Köln. Ich finde Köln angenehm, weil die Menschen sehr offen sind. Aber ich könnte nicht sagen, dass ich einen Lieblingsort habe.

Wenn Sie Medienministerin in NRW wären - was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Ich könnte keine konkrete Amtshandlung festmachen, aber ich denke, man muss das Generations-übergreifende Verständnis fördern. Wer älter als Mitte 30 ist, fällt hinter der medialen Entwicklung, die stattfindet, oft zurück. Meine Eltern sind Anfang 50 und haben mittlerweile ein Facebook Profil, sogar meine Oma hat ein Facebook Profil. Aber damit hört es dann auch auf. Sie haben von Instagram und Snapchat noch nie gehört. Die Entwicklung ist so schnell, dass die Generation, die damit nicht aufgewachsen ist, schnell hinten runter fallen kann. Da muss eine Generations-Verständigung gefördert werden. Ältere Menschen brauchen Zugang zu diesen Medien, die in der Zukunft eine viel, viel größere Rolle spielen werden als TV,  Zeitung oder die klassischen Medien, die von der älteren Bevölkerung konsumiert werden. Das ist ein wichtiger Punkt, der angegangen werden sollte. Da geht es auch um die technische Infrastruktur.

Wenn Sie auf ein Medienprodukt verzichten müssten, worauf könnten Sie am schwersten verzichten?

Auf das Internet, da man dort alle anderen Medienprodukte findet, wie Zeitungen oder TV. Wenn man das Internet nicht als einzelnes Medium betrachtet, sondern als Grundvoraussetzung für alle Medien könnte ich am schwersten verzichten auf die sozialen Medien. Gerade zu vielen langjährigen Freunden habe ich vorrangig Kontakt über soziale Medien.

Auf welches Medium könnten Sie am leichtesten verzichten?

Radio. Ich höre sehr wenig Radio und wenn ich Musik höre, dann ausgewählt über Musikdienste.

Was wäre ein aktueller Medien-Tipp? Was sollte man sich unbedingt ansehen?

Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Medien, habe ich aktuell die Serie Black Mirror auf Netflix entdeckt, die es seit 2011 gibt. Sie beschäftigt sich mit verschiedenen Medienphänomenen und was daraus entstehen könnte. Die würde ich jedem, der viel mit Medien zu tun, viel Zeit am Handy verbringt, empfehlen. „Black Mirror“ stellt sehr stark, auch satirisch, die Dystopien dar. Was alles auf uns zukommen könnte. Man denkt, so weit entfernt sind wir davon nicht. Und wenn das tatsächlich so kommt, dann sollte man sich fragen, ob man das wirklich möchte?! „Black Mirror“  ist in diesem Zusammenhang wirklich spannend.

Wenn Sie einen anderen Job ausprobieren könnten, als den, den Sie haben, welcher wäre das?

Ich würde gerne einen handwerklichen Job ausprobieren. Ich mache ja vorrangig Kopfarbeit, und weiß eigentlich gar nicht, was es heißt, wenn man mehrere Tage oder Wochen  handwerklich arbeitet. Holz wäre mir der angenehmste Werkstoff, mit dem ich mir vorstellen könnte, zu arbeiten. Oder auch Tierarzt, das hat auch viel mit Fingerspitzengefühl zu tun. Ich bin ein großer Tierfreund und habe einen Hund.