Berufseinstieg


Die ersten Schritte

Eigentlich ist die Medien- und Kommunikationsbranche eine ganz normale Branche. Gesucht werden versierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die etwas von ihrem Beruf verstehen, gute Ideen einbringen und sich konstruktiv im Team bewegen. Dennoch ist der Berufseinstieg für viele Bewerberinnen und Bewerber nicht so einfach. Das hat mit den Strukturen der Branche zu tun.


Was ist für den Berufseinstieg/die Jobsuche wichtig?

Infografik zum Thema Berufseinstieg

Die Jobs wollen gefunden werden, auch über Umwege. Dafür ist es wichtig zu wissen: wo tut sich etwas, welche Projekte entstehen? Nur auf offizielle Stellenanzeigen setzen, hieße interessante Jobperspektiven übersehen. Initiativbewerbungen sind ebenso willkommen wie interessante Ideen.

Junior, Senior, Manager, Designerin, Advisor – die Kreativität der Branche tobt sich auch in smarten Titeln aus. Die Berufsbezeichnungen (welch dröges Wort!) können sich von Firma zu Firma, von Projekt zu Job unterscheiden. Dennoch sind ganz ähnliche Aufgaben damit gemeint. Es ist also ratsam, nach Tätigkeitsprofilen zu schauen. Funktionen und Titel schlicht übersetzen. Und noch ein Tipp: Bei der Jobsuche nicht nur nach dem erlernten Ausbildungsberuf, dem Studienabschluss gucken. Denn eine Mediengestalterin Bild und Ton arbeitet z. B. als Cutterin. Der Medienwissenschaftler ist vielleicht als „Specialist Project Communication“ gefragt.

Apropos Kreativität – ja, die gibt’s auch.  Dennoch ist ein breites Spektrum an Qualifikationen erforderlich. Ganz solide kaufmännische, technische, organisatorische Aufgaben sind zu lösen.
Das heißt, dass in diesen Berufsfeldern vergleichbare Anforderungen gelten wie im Rest der Wirtschaftswelt. Und die Arbeitgeber/innen setzen darauf, dass das Verständnis der beruflichen Rolle zum Jobprofil passt. Anders gesagt: der Büroassistent im Sender sollte sich nicht unbedingt als besserer Moderator  verstehen. Die gute Botschaft ist: es gibt sehr viele Berufe die ganz unterschiedliche Begabungen voraussetzen.

Erste Eindrücke für Berufseinsteiger

In der Medien- und Kommunikationsbranche sind Weltkonzerne so wie kleine, neu gegründete Agenturen, mittelständische Industriebetriebe und öffentliche Institutionen zu finden. Je nach Unternehmen gelten unterschiedliche Spielregeln bei der Einstellung von Mitarbeiter/innen, der Vergabe von Aufträgen. Großen Firmen besitzen selbstredend eine eigene Personalabteilung, die sich mit Rekrutierung, Personalentwicklung befasst, Assessment Center organisiert, etc.. In kleinen Firmen macht das der Inhaber, die Projektleiterin nebenbei. Das hat Konsequenzen für die Bewerbung. Große und mittelständische Unternehmen legen eher Wert auf ausgefeilte Bewerbungsunterlagen mit Zeugnissen, Abschlüssen und Noten, die präzise und kritisch gewürdigt werden. Dadurch ergeben sich z.T. längere Bewerbungsverfahren, gerade bei der Berufsausbildung. Kleine Betriebe entscheiden sich mitunter sehr kurzfristig, ob sie einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen können. Das persönliche Miteinander-Klarkommen, Berufserfahrung, Probearbeiten können ebenso entscheidend sein wie formale Abschlüsse.

Zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn

Ja, das Praktikum! Es hat sich fast zu einer zweiten Qualifikation entwickelt. Praktische Erfahrungen, einschlägige Jobs, Arbeitsproben, Sprachkenntnisse, Führerschein, Technikkompetenz ... die Liste der Anforderungen wächst und wächst. Andererseits  soll schnell und erfolgreich studiert werden. Zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn bleibt nicht viel Zeit. Und wer kann nach Studium oder Ausbildung schon monatelang als unter- oder unbezahlte Praktikant/in durch die Betriebe tingeln? Und zu viele Praktika sind wiederum nicht ratsam, das sieht nach Unentschlossenheit aus… Also keine einfache Situation. Aber jedes Problem hat in der Regel eine erfreulichere Kehrseite. Im Falle des unvermeidlichen Praktikums ist es die, dass das Praktikum die persönliche Berufswahl unterstützt. Ist die Tätigkeit so interessant wie erhofft?  Wo liegen die eigenen Talente und Schwerpunkte?  Wie geht ein Unternehmen mit den Mitarbeiter/innen um? Gibt es Berufsbereiche oder Branchensegmente, die erst auf den zweiten Blick überraschend attraktiv sind? Welche ungeschriebenen Gesetze sind wichtig? All das lässt sich als Praktikant/in erfahren. Also: nicht das Praktikum um des Praktikums willen absolvieren. Sondern die eigenen Ziele dabei nicht aus den Augen verlieren. Und wenn's gar nicht passt: auch andere Branchen haben schöne Jobs. Versprochen!

Kontakte, Kontakte...

Netzwerke, Networking, Kontakte – viele Projekte in der Medien- und Kommunikationsbranche sind zeitlich begrenzt. Es gilt, schnell ein Team zusammen zu stellen, dem man zutraut, dass es die Arbeit erfolgreich bewältigt. Vom ersten Tag an. Viel Zeit zum Austesten, Abtasten, Warmwerden, Missverständnisse ausräumen bleibt nicht. Da läuft viel über Empfehlungen. Teams stellen sich quasi selber zusammen. Aber wie kommt man und frau an Kontakte heran? Wie baut man sie auf und nutzt sie, ohne dabei das ganze Leben dem Job unterzuordnen? Letztlich ist das ganze Leben ein Netzwerk. Schon in Ausbildung und Studium werden Kontakte geknüpft. Initiative bei eigenen Projekten, Unterstützung von Anderen, Jobs, der Besuch von Veranstaltungen, Branchen- Stammtischen all das kann helfen, Informationen zu sammeln, Kontakte aufzubauen. Und dabei ist es durchaus clever, sich Namen und inhaltliche Bezüge zu notieren. Vielleicht ergibt sich später ein Anknüpfungspunkt. Nicht vergessen: die meisten Leute sind gerne behilflich, in Maßen. Also ist es auch im eigenen Interesse, die Ausgewogenheit, die Interessen der Anderen zu respektieren. Arbeiten ist immer eine Mischung aus Talent und Qualifikation. Manche Talente sind besonders selten und kostbar. Ob es gelingt das eigene Talent erfolgreich zu vermarkten ist jedoch auch abhängig vom Zeitgeschmack, passenden Gelegenheiten und Glück. Und Qualifikationen sind wichtig. Denn sie sind die Basis, um Talente und neu erworbene Kompetenzen weiter zu entwickeln. 

Für den Berufseinstieg sind fundamental: die Bildungsabschlüsse, Branchenkenntnisse, die Kenntnis der Arbeitsstrukturen und  Arbeitsbedingungen.

Die Arbeitsstrukturen sollten realistisch eingeschätzt werden. Üblich sind heute projektbezogene Jobs und freie Mitarbeit. Eine unbefristete Festanstellung ist möglich aber seltener. Wichtig ist ein klares Rollenverständnis. Und die Bereitschaft, sich fortzubilden, um sich souverän auf dem Arbeitsmarkt bewegen zu können.

Quereinstieg:

Ja! Aber! Welche Kenntnisse und Qualifikationen bringt die Bewerberin mit? Was könnte für die Unternehmen interessant sein? Und ist mit dem Quereinstieg nur ein Branchenwechsel verbunden? Kauffrau arbeitet weiterhin kaufmännisch – organisatorisch. Oder möchte man in ein ganz neues Tätigkeitsfeld gehen? Kaufmann will Moderator werden.

Es liegt auf der Hand, dass die zweite Form des Quereinstiegs die schwierigere ist.
Und nebenbei bemerkt: umgekehrt wäre das auch ein Problem. Würde man gerne die Elektrik vom Drehbuchautor installiert bekommen? Sollte der Schauspieler die Bilanz schreiben? Eben! Oder besser: Eben nicht! Auch die Berufe in der Medien- und Kommunikationswirtschaft haben Qualifikationsanforderungen. Wer in das gefragte Profil hineinpasst, kann das zeigen. Wer es noch nicht tut, kann sich qualifizieren.

Talent:

Ja! Für viele Dinge! Aber nicht nur. Talent ist eine wichtige Grundlage, aber sie muss entwickelt werden. Wer beim Geburtstag erfolgreich Witze erzählt, ist noch kein Comedian. Also geben Sie sich Zeit und Raum für die Entwicklung ihres Talents. Das notwendige Handwerkszeug und eine fundierte Ausbildung lassen das Talent erst richtig zur Geltung kommen.

Medienproduktion ist in erster Linie professionelle Arbeit. Sie kann Spaß machen, begeistern, sie kann aber auch anstrengend sein, manchmal langweilig und langwierig. Aber es zählt das Ergebnis. Wie beim Kuchen. Und nicht das Talent alleine. Und wenn Sie eine Fischtorte erfinden, auch gut. Aber sie muss in erster Linie dem Kunden schmecken.


TIPP

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